Yoga im Alltag
Wie du das, was du auf der Yogamatte lernst, mit in dein Leben nimmst
Warum Yoga allein oft nicht reicht
Viele Frauen merken schon nach den ersten Yogastunden, dass ihnen Yoga gut tut – deswegen kommen sie ja auch immer wieder.
Sie fühlen sich ruhiger, sind gelassener und das Gedankenkarussell ist für einen Moment langsamer geworden.
Und vielleicht hast auch du es schon erlebt, dass du die Yogastunde mit dem Gefühl verlässt, dass alles ein kleines bisschen besser geworden ist.
Du denkst dir:
“Das ist ein tolles Gefühl, das hätte ich gerne öfter.”
Aber dann holt dich das Leben schnell wieder ein.
Deine To-do-Liste wartet, das Handy klingelt zum 50sten Mal, deine Kinder rufen nach dir und Pläne ändern sich in letzter Sekunde.
Und ehe du dich versiehst, fühlt sich alles wieder genauso an wie vorher.
Das Yoga-Gefühl ist für den Moment verschwunden.
Vielleicht denkst du dir jetzt das, was ich lange Zeit geglaubt habe:
du musst einfach mehr Yoga machen, dann bleibt das Gefühl irgendwann.
Du denkst, du brauchst mehr Yogastunden, mehr Übung, mehr Bücher, noch einen Podcast.
Irgendwann habe ich dann verstanden, dass das eigentliche Problem nicht die Menge meiner Praxis war. Denn auch noch mehr Yogastunden, Ausbildungen und Wissen konnten nicht verhindern, dass das Yoga-Gefühl irgendwann wieder weg war.
Das wirkliche Problem war:
Ich hatte nie gelernt, das, was ich auf der Yogamatte über mich gelernt habe, mit in mein Leben zu nehmen. Mein Yoga hatte in dem Moment aufgehört, wo die Yogamatte wieder in der Ecke stand.
Heute kann ich aus ganzem Herzen sagen, dass Yoga mein ganzes Leben verändert hat. Und genau deshalb beginnt Yoga für mich nicht erst auf der Matte und endet auch nicht dort.
Die Yogamatte ist der Ort, an dem wir üben.
Das Leben ist der Ort, an dem wir das Gelernte wiederfinden und anwenden.
was lernen wir eigentlich auf der Yogamatte?
Wenn ich sage, dass die Yogamatte ein Übungsraum ist, dann meine ich damit nicht, dass wir dort lernen, den herabschauenden Hund immer und überall zu machen. Ich meine damit, dass wir dort etwas über uns selbst lernen.
Vielleicht merkst du während einer Yogastunde zum ersten Mal:
- wie streng du mit dir sprichst, wenn eine Haltung nicht sofort klappt oder du dich nicht konzentrieren kannst
- dass dein Körper eigentlich längst eine Pause bräuchte, du aber trotzdem weitermachen möchtest
- dass du den Block nicht nimmst, weil du glaubst, du müsstest die Haltung auch ohne Hilfsmittel schaffen
- dass du immer versuchst, alles richtig zu machen und deshalb mehr zu den anderen schaust als bei dir selbst zu sein
- dass du schon wieder die schwierigste Variante gewählt hast, obwohl eine andere heute viel besser zu dir passen würde
All diese Dinge wirken auf den ersten Blick vielleicht wie Kleinigkeiten.
Aber oft begegnen sie uns nicht nur auf der Yogamatte – dort sind wir nur entspannt und achtsam genug, um sie überhaupt zu bemerken.
Die Zeit auf der Yogamatte während der Yogastunde gehört nur dir – niemand möchte es von dir und du musst nichts erreichen. Wenn du etwas nicht schaffst, hat das dort keine Konsequenzen.
Wenn es dir also schon auf der Yogamatte schwerfällt, etwas zu tun, was gut für dich wäre, dann ist es das vielleicht etwas, was auch im Alltag nicht leicht für dich ist.
Vielleicht sagst du auch bei der Arbeit, “ja klar, mache ich gerne”, obwohl du weißt, dass du sowieso schon am Limit bist.
Vielleicht bist du im Alltag genauso ungeduldig mit dir, wenn etwas nicht klappt, wie in dem Moment auf der Matte, in dem du im Baum oder im Krieger 3 das Gleichgewicht verlierst.
Vielleicht bist du genauso verbissen, etwas zu schaffen, obwohl dein Körper dir eigentlich sagt, dass es besser wäre, einen Gang zurückzuschalten.
Vielleicht kannst du im Alltag genauso schlecht um Hilfe bitten, wie du dir auch auf der Matte keine erlaubst, weil du denkst, du musst es alleine schaffen.
Deshalb üben wir auf der Yogamatte nicht nur Asanas.
Wir üben wahrzunehmen.
Denn wenn wir in diesem sicheren Rahmen beginnen zu erkennen, was dort passiert, dann bemerken wir diese Muster irgendwann auch außerhalb der Yogastunde.
Und genau dort beginnt sich langsam zu verändern, wie du deinem Leben begegnest – und nicht nur, wie beweglich du bist.
Wie Yoga mit der Zeit Teil deines Alltags wird
Die meisten Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen.
Du verlässt nicht eines Tages eine Yogastunde und plötzlich ist alles anders.
Du zweifelst nicht nie wieder an dir, setzt von heute auf morgen perfekte Grenzen oder schaffst es plötzlich immer, gut für dich zu sorgen.
Das Leben bleibt das Leben.
Der Unterschied ist, dass du mit der Zeit beginnst, Dinge wahrzunehmen, die dir früher gar nicht aufgefallen sind (und wenn sie dir nicht auffallen, kannst du sie auch nicht verändern).
Vielleicht bemerkst du irgendwann:
- dass du gerade wieder Ja sagen möchtest, obwohl eigentlich alles in dir Nein schreit
- dass du schon den ganzen Tag angespannt bist und die Schultern bis zu den Ohren hochgezogen hast
- wie streng du gerade mit dir sprichst, obwohl du mit einer guten Freundin niemals so reden würdest
- dass du schon wieder versuchst, alles alleine zu schaffen, obwohl du Unterstützung gebrauchen könntest
- dass du gerade in Gedanken schon wieder ganz woanders bist
- dass du gerade schon wieder alles schwarzmalst und nur das Negative suchst
Früher sind viele dieser Dinge einfach passiert, obwohl du dieses Mal wirklich anders machen wolltest und du hast es erst hinterher bemerkt. Du hast immer wieder Ja gesagt, dir in Gedanken nur das Schlimmste ausgemalt, warst angespannt und nur hektisch unterwegs – und zwar nicht weil du dich bewusst dafür entschieden hast, sondern weil es Gewohnheiten geworden sind, die du nicht einmal bemerkt hast, bis es zu spät war.
Heute bemerkst du sie vielleicht ein kleines bisschen früher – und manchmal reicht genau dieser Moment schon aus.
Dadurch wird nicht sofort alles anders.
Aber du jetzt überhaupt die Möglichkeit, eine andere Entscheidung zu treffen.
Vielleicht machst du tatsächlich eine Pause.
Vielleicht bittest du um Hilfe.
Vielleicht entscheidest du dich, freundlich mit dir zu sprechen, statt dich weiter unter Druck zu setzen.
Vielleicht merkst du auch einfach nur, was gerade passiert.
Und selbst das kann manchmal schon unglaublich viel verändern.
Genau deshalb endet Yoga für mich nicht mit der letzten Asana.
Es zeigt sich nicht nur darin, wie beweglich wir sind, sondern auch darin, wie wir mit uns selbst umgehen, wenn das Leben schwierig, chaotisch oder herausfordernd wird.
Und genau dort beginnt sich mit der Zeit zu verändern, wie sich unser Leben anfühlt.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, wie selten wir uns im Alltag die Zeit nehmen, einfach nur wahrzunehmen, was gerade da ist, dann möchte ich dir etwas schenken.
Unrushed Moment ist eine kurze geführte Meditation, die dir hilft, genau das zu üben.
Es geht dabei gar nicht darum, während der Meditation etwas zu verändern oder alles richtig zu machen.
Schenk dir hier ein par Minuten für dich, um einfach nur wieder wahrzunehmen, was ohnehin schon da ist.